Ball

"Sowas können halt die Österreicher am besten"

Mit einem Rekord an Kartenverkäufen und Komplimenten ging der Wiener Ball 2016 der Österreichisch-Deutschen Gesellschaft über die Tanzbühne.

Noch nie war das Interesse am Wiener Ball so groß, noch nie wurden so viele Karten verkauft. Weit über 500 Gäste kamen am 13. Februar ins Maritim Hotel in der Stauffenbergstraße nahe dem Potsdamer Platz in Berlin – und den wohlwollenden Kommentaren zufolge dürften sie im nächsten Jahr wieder kommen und auch noch für Mundpropaganda sorgen.
"Sowas können halt die Österreicher am besten!" Carsten Jenssen, Banker aus Berlin-Pankow, und seine Frau, ebenfalls Bankerin, waren zum ersten Mal hier und haben den Mix aus Tanz und Showeinlagen so genossen, dass sie auf jeden Fall wieder kommen möchten. Sie waren von einem befreundeten Paar aus Werder bei Potsdam auf den Wiener Ball angesprochen worden. Alle vier sind leidenschaftliche Tänzer, haben den Termin in der Berliner Zeitung entdeckt und wollten ihn mal probieren. Es spricht alles dafür, dass sie Stammgäste werden.
Das Tanzorchester Christoph Sanft ist stolz, dass es jedes Jahr für den Ball der Österreicher engagiert wird, und das schon seit 1995. 17 Musiker und zwei Gesangssolisten – Susann Hülsmann, die mit dem feuerrotem Haar, und der smarte junge Tenor Philip Eick – sorgten für Schwung. Schwung, der auch betagte Ballgäste zu jugendlichem Leben erweckte.
Überhaupt: Das Alter wurde an der Garderobe abgegeben. Niemand sah Monika Förschler, der Chefin der Tanzschule Broadway, ihre 75 Jahre an. Die Tänzer ihrer Spandauer Schule, die die Balleröffnung und Showeinlagen bestritten, waren zwischen 16 und 76 Jahre alt. Diesen 76-jährigen Günter Völzke, Ingenieur aus Reinickendorf, Turniertänzer mit kerzengerader Haltung, befragten wir, wie ihm der Wiener Ball gefiel: Er liebe die Standardtänze, besonders den langsamen und den Wiener Walzer, sei froh, dass es hier keinen Hip-Hop gebe, und findet Musik und Programm der Österreicher ansprechend. Außerdem findet er es gut, "dass man nicht wegen Terrorgefahr zurückzuckt und aus Angst alles absagt; solche Höhepunkte muss es schon noch geben".
Atemberaubend waren die akrobatischen Tanzeinlagen von Manuela Brychzy, deren Haut nur von einem Hauch von Tüll und etwas Glitter bedeckt war, und Stefan Heinrich, beide Tanzsporttrainer und ausgebildete Bühnentänzer.
Auffallend viele junge Tanzpaare zog es auf die Fläche, die probieren und zeigen wollten, was sie in der Tanzschule gelernt hatten. Ein Trend, den auch die Turniertänzer Kerstin Henning und Christian Pohlit bestätigten: In der Tanzschule Broadway boomt die Nachfrage junger Leute. So war der Wiener Tanzabend der perfekte Mehr-Generationen-Ball.
Aber es wurde nicht nur getanzt: Künstlerische Höhepunkte waren die Lieder der Sopranistin Anita Götz aus Wien, die trotz ihrer zahlreichen Bühnenverpflichtungen der aktuellen Saison nach Berlin flog – offenbar konnte sie dem Drängen des ÖDG-Präsidenten Werner Götz nicht widerstehen. So ist das, wenn man die Nichte des Vereinschefs ist. Sie brachte Daniel Neumann mit, Mitglied im Orchester der Wiener Volksoper, und der wiederum brachte seine Trompete mit. Deren Töne wühlten die Emotionen im Großen Saal auf. Pianist war Helmut Brinda, ein Wiener aus München. Nach Mitternacht sorgten "Die Berliner Tenöre" mit Charme – auch den gibt es gelegentlich in Berlin – und vertrauten Ohrwürmern für Erholung vom Tanzen. Bei allen Stargästen hörte das Publikum mucksmäuschenstill zu.
Das ist in Berlin durchaus erwähnenswert, weil wahrlich nicht selbstverständlich.
Irgendwie muss die Wiener Atmosphäre ansteckend gewesen. Ehrengast Andreas Geisel, Berlins Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, ist zwar Nichttänzer, machte aber seiner Frau Anke zuliebe eine Ausnahme. Der Politiker versuchte freilich, mitten auf der Tanzfläche im Getümmel unterzutauchen, um nicht aufzufallen. Davor hatte er von seinem Ehrentisch aus die anderen Tanzpaare beobachten können. Das scheint ihm Mut gemacht zu haben, denn auch bei manch anderen Gästen waren nicht alle Tanzschritte perfekt. Er dürfte gesehen haben, dass es darauf auch gar nicht ankam.


Andreas und Anke Geisel möchten übrigens beim Wiener Ball 2017 wieder dabei sein. "Es hat uns hervorragend gefallen, und wir kommen nächstes Jahr gerne wieder." Mit Wien verbindet das Paar etwas sehr Persönliches: Die Hochzeitsreise im Jahr 1998 ging in die österreichische Hauptstadt. "Da wir aus Zeitgründen schon lange nicht nach Wien kommen konnten, fühlen wir wenigstens hier ein bisschen Wiener Flair." Notiz am Rande: Unfreiwillig war das Ehepaar Geisel mit seinen 13- und 17-jährigen Töchtern vor kurzem in Wien. Auf der Rückreise vom Fernurlaub musste die Maschine ungeplant in Wien-Schwechat zwischenlanden und ließ die Passagiere fünf Stunden im Terminal warten. Zeit genug für einen Berliner Senator, in einem funktionierenden Airport über das Flughafendebakel zu Hause nachzudenken.
Die Geisels waren nicht die einzigen Ehrengäste. Werner Götz begrüßte eine lange Liste von Persönlichkeiten, die der Österreichisch-Deutschen Gesellschaft, der Stadt Wien oder den 230.000 in Deutschland lebenden Auslandsösterreichern verbunden sind oder, aus Österreich angereist, für die Beziehungen zu Deutschland wichtig sind.
Österreichs Botschafter Nikolaus Marschik hatte zwar die Schirmherrschaft über den Ball übernommen, musste sich aber auf der Münchner Sicherheitskonferenz um Weltpolitik kümmern und sich von Generalkonsul Gerhard Lutz vertreten lassen. Den anderen Ehrengästen war die Weltpolitik für ein paar Stunden egal: Der steirischen Landtagspräsidentin Bettina Vollath (SPÖ); dem Bundestagsabgeordneten Klaus Brähmig (CDU) in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Deutsch-Österreichischen Parlamentariergruppe; und dem früheren Bezirksbürgermeister von Berlin-Tempelhof/Schöneberg, Ekkehard Band. Ein besonderer Gast war der Diplomat Stefan Pehringer, der in Berlin unvergessene Spuren hinterlassen hat und bis zum Amtsantritt als Botschafter in Kanada Anfang 2017 außenpolitischer Berater im österreichischen Bundeskanzleramt ist. Pehringer benützte den Wiener Ball, um seiner frisch angetrauten Frau, einer Kalifornierin, Berlin zu zeigen. Auch die vormalige Leiterin des Büros der AuslandssteirerInnen Renate Metlar war mit ihren Gatte aus der Steiermark angereist.
Außerdem waren viele Ehrenamtliche von Auslandsösterreichervereinen dabei, etwa Jürgen Em, Vizepräsident des Weltbundes des Auslandsösterreicher und langjähriger Chef der Österreichischen Gesellschaft in Bonn; Fritz Dertnig, stellvertretender Vorsitzender des Dachverbandes österreichischer Vereinigungen in Deutschland und Präsident des Austria German Clubs Hamburg; Thomas Mairinger, Präsident des Austria Clubs zu Berlin; René Seiml-Buchinger, Präsident der Österreichischen Gesellschaft Ostwestfalen-Lippe und gleichzeitig Vorstandsmitglied des Dachverbandes; Margot Bergmann, Vizepräsidentin des Salzburger Verein e.V. Bielefeld; Erika Ide, Präsidentin des Altbayerisch-Schwäbischen Vereins der Österreicher; Georg Danneberg, Präsident der Österreichisch-Fränkischen Gesellschaft; Eckhard Schlemminger, Salzburger Verein e.V. Landesgruppe Hamburg und Vorstandsmitglied Ges. der Freunde "Michaelstein" e.V.. Selbstverständlich waren in die Begrüßung alle Genannten mit ihrer jeweils besseren Hälfte einbezogen.
Diplomatisches Flair verbreitete Irene Ernst, die neben ihrem Hauptberuf als Ärztin mit einem kleinen Team jeden Monat das "Diplomatische Magazin" herausgibt. Ihr Erscheinen auf einer Berliner Veranstaltung verleiht jedem Event eine noch höhere Bedeutung.
Auch manche Exponenten der ÖDG selbst wurden vorgestellt. Das Ehrenmitglied Edith Lorenz, 94 Jahre alt, Vizepräsident Ekkehard Mannigel und ganz und gar nicht zuletzt: Christine Ziech, ebenfalls ÖDG-Vizepräsidentin, die zusammen mit ihrem Mann Bernhard Kartenverkauf, Sitzordnung und viele andere Aufgaben ehrenamtlich bewältigt hat, Aufgaben, die auch professionelle Agenturen nicht besser, aber viel teurer erledigen würden.
Götz dankte auch der Stadt Wien für die Unterstützung, der neuen Maritim-Chefin, Claudia Damsch-Oepping, und ihrem Vorgänger Bernhard Dohne für die bewährte Kooperation und vor allem Viktor Kattinger für seine wieder großzügigen Spenden aus seiner Vinothek. Allen, denen er dankte, rief Götz sicherheitshalber in Erinnerung: "Ein Dankeschön ist das nächste Bitteschön."
Der Rekord an Kartenverkauf und Komplimenten lässt die Österreicher großzügig darüber hinweg sehen, dass im heurigen Berliner Ballkalender eine "Deutsch-Österreichische Gesellschaft" als Veranstalter aufscheint anstelle der "Österreichisch-Deutschen Gesellschaft". Nächstes Jahr wird man den Namen gewiss korrekt anführen, denn der Wiener Ball hat sich trotz der Probleme anderer Ballveranstaltungen so gut etabliert wie noch nie und erlebt zudem im nächsten Jahr seinen 50. Ausgabe.

ekö

– Samstag 11. Februar 2017 –
s i n d  –  w i r  –  w i e d e r – d a b e i !

Bilder vom Ball 2016 hier.

 

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